Ort: Mülheim - Schloß Broich
Datum: 18.08.2007
Neue alte Folkmusik
Am 18. August 2007 fand in Mülheim an der Ruhr ein Festival der Folkmusik statt. Aber was heißt schon Folkmusik. Das Programm reichte von sanfter und religiöser Folkmusik über bretonische Weisen bis hin zu schwer-metalligem Folk- und Mittelalterrock. Dem Mülheimer Burgfolk Festival, welches seit 2003 nunmehr regelmäßig stattfindet, war eine stilistische Vielfalt wichtig. Vor allem wurden den klassischen Folkelementen moderne Elemente beigemischt, die beispielsweise auf eine Verjüngung des traditionellen Liedgutes infolge neuer moderner Texte hinaus liefen. Historische, bisher beinah in Vergessenheit geratene Instrumente wurden mit neuester Verstärkertechnik verbunden, um auf diesem Weg moderne Klangerlebnisse zu schaffen. Bereits ab 13 Uhr erlebten die Nachbarn in unmittelbarer Nähe von Schloss Broich die melodiöse Geräuschkulisse, der Park um das Schloss und der Schlosshof füllten sich mit Gästen aller Couleur. Viele von ihnen erschienen gewandet, aber nicht nur die Szene des Mittelalter sandte ihre Vertreter, sondern auch Gestalten aus der Fantasy mit ihren Elfenohren und Gothic-Bekenner kamen, um sich an der Musik und die Shows der Gruppen zu erfreuen.
Den Auftakt für das diesjährige Festival bildete RABENSCHREY, die ihre Musik selbst als „heidnischen Mittelalter-Folk“ bezeichnen und seit dem Jahre 2000 ihren Fans und ihrem Publikum darbieten. Die instrumentelle Grundlage mit Lauten und Trommeln wurde von Anfang an durch starken, unverwechselbaren Gesang begleitet. Wesenszug von RABENSCHREY: alle Texte und Lieder stammen aus der eigenen Feder. In ihnen wird von vergangenen Zeiten, sagenhaften Geschehnissen, kühnen Recken und vorchristlichen Gottheiten berichtet. Dennoch sollte nicht jedes Musikstück von ihnen mit todernster Miene genommen werden. Ein Schelm, wer sich beim Lied Hey wir sind Heiden an Pipi Langstrumpf erinnert fühlt.
Den Heiden schloss sich die Folklore-Gruppe AN ERMINIG an, die sich der traditionellen bretonischen Folklore verschrieben haben. Sehr gut tanzbar und mit viel Rhythmus brachten sie ihre Weisen unter die Zuhörer. Mit Instrumenten wie die keltische Harfe, Akkordeon, Gitarre, Bombarde, Dudelsack und Bass bieten die Musiker um Barbara Gerdes nicht nur Folklore, sondern ebenso guten Pop und Weltmusik, teilweise gewürzt mit mehrstimmigem oder abwechselndem Gesang.
Den bretonischen Klängen folgten mit ihrer mitreißenden Folklore die niederländischen „Schotten“ RAPALJE, die sich in mittelalterlichen Kilts den Zuschauern präsentieren. Die vier Musiker sind unter anderem durch ihre niederländische Fassung des Liedes Wat zullen we drinken bekannt und bringen irische, schottische und niederländische Folklore mit Instrumenten wie Tin-whistle, Gitouki, Ziehharmonika, Mundharmonika, Teekistenbass und Bodhrán unter das Volk. Dabei sind neben Klassikern ganz weltbekannte Hits wie Whiskey in the Jar, die von ihnen auf ganz besondere Art und Weise folkloristisch bearbeitet wurden. Besonders bei den schnellen Rauf- und Saufliedern sieht man den Musikern ihren Spaß an ihrer Musik an. Trotzdem lassen sie tieftraurige Balladen in ihrem Repertoire nicht zu kurz kommen.
Die längere Pause bis zum Aufbau der Technik für die Gruppe CULTUS FEROX wurde nicht langweilig. Bei Bier und Wein ließ sich die Zeit gut mit Gesprächen überbrücken. Nicht nur mit Freunden und Bekannten konnte man ins Gespräch kommen, den einen oder anderen Musiker konnte man ebenfalls ein spaßiges Wort entlocken. Bodenständig sind sie alle, für ihr Publikum zum Anfassen nah, bildeten sich hin und wieder Menschentrauben, wenn Autogramme gegeben wurden. Dem einen oder anderen Besucher war die Pause willkommen, um sich an den Fanartikel-Ständen umzuschauen und eventuell die neueste CD mitzunehmen. Endlich funktionierte die Technik und die Piraten enterten die Bühne. Die Piraten von CULTUS FEROX bliesen ins Horn, schlugen die Trommeln, rupften den Bass und brachten lautstarke Stimmung auf den Schlosshof. Gnadenlos rockige Stimmung beim Kampf der Dudelsäcke und Rockinstrumente auf den Planken der Bühne. Viele ihrer Piratenhymnen wie Blendwerk oder Verlorene Seelen sind sowohl in der Gothic- als auch Mittelalterszene ein Hit geworden.
Nach den rockigen Klängen ging es mit Faun dann wieder etwas melancholischer zu. Ganz fein abgestimmte mehrstimmige Gesänge verbinden sich mit archaischen Rhythmen zu einem magischen Ganzen. Harfe, Drehleier, Schlüsselfiedel und Lauten begleiten die weiblichen und männlichen Stimmen und sorgen für ein Klangerlebnis der besonderen Art. Besonderheit dieser Gruppe, die seit 2002 über 350 Konzerte gab, ist die Verschmelzung von keltischer mit arabischer Folklore unter Beimischung mittelalterlicher Klänge. Auf diese Weise erarbeiteten sie sich ihren ganz individuellen Stil und trifft auf eine wachsende Anhängerschar.
Auch die sich anschließende Gruppe QNTAL verbindet auf eine ihr eigene Weise mittelalterliche Poesie mit zeitgemäßer Elektronik. Die von ihnen geschaffenen Klanglandschaften bilden eine harmonische Synthese mit der mittelalterlichen Lyrik. Zu ihrem Repertoire gehören Werke von dunkler als auch lichter Schönheit, die den Zuhörer direkt unmittelbar berühren und ihn in eine fantastische und magische Welt eintauchen lassen, eine Welt voller Harmonie und Gleichklang, in der der Rhythmus nicht fehlt, der den Körper zu den Klängen mitreißt.
Kurz vor Mitternacht wurde es dann auf dem Burgfolk 2007 nochmal richtig rockig mit der finnischen Band KORPIKLAANI, dem Clan des Waldes. Wer Metal liebt, kommt an KORPIKLAANI nicht vorbei. Dabei setzen die Finnen nicht nur die traditionellen Metal-Instrumente ein, sondern holen sich aus dem Fundus des Mittelalters das, was sie für ihre Musik benötigen, unter anderem auch Flöten und Geigen. Der Einfluss von finnischer Folklore, dem Humppa, ein Polka-ähnlicher Tanz, ist unverkennbar und fügt sich in die schnellen Takte dieser Musik.
Wer sich über das Festival und die teilnehmenden Künstler weiter informieren möchte, der möge sich auf eine der folgenden Webseiten begeben. Die ersten Gruppen haben bereits für Burgfolk 2008 zugesagt.
Copyright Fotos: Regina Knut
Detlef Knut (18.08.2007)
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