Ort: Mülheim - Schloss Broich
Datum: 16.08.2008
Festival der mittelalterlichen Rock- und Folkmusik auf Schloss Broich
Weit klangen die Rhythmen bereits am frühen Nachmittag des 16. Augusts in die Straßen der Stadt hinein. Schloss Broich in Mülheim a. d. Ruhr hatte die Fans von mittelalterlicher Rock- und Folkmusik zu ihrem jährlich im August stattfindendem Burgfolk-Festival geladen. „Was lange währt, wird gut“, sagt der Volksmund und behält damit ein weiteres Mal recht. Das Line Up wurde seit dem Burgfolk 2007 Schritt für Schritt erarbeitet. Dem Organisator Michael Bohnes ist für sein gelungenes Werk zu danken, denn es wurden Bands präsentiert, die für jeden etwas boten, angefangen von sanftem und softigem Folk bis hin zu hartem und metallenem Rock. Vorgestellt wurden Bands, die sich immer stärker in die Herzen der Hörer spielen als auch solche, die als klare Favoriten der Szene gelten und einen große Fangemeinde in ihrem Tross mitführen. Gewürzt wurde das Festival, welches von 13 bis 23 Uhr andauerte, mit der Moderation. Der Veranstalter konnte keinen geringeren als Donar von Rabenschrey, den Frontmann der gleichnamigen Gruppe Rabenschrey gewinnen, der die Festivalgäste auf dem prallgefüllten Schlosshof vor dem Auftritt jeder Band anheizte.
Die sieben Frankfurter mit dem Namen NACHTGESCHREI gelten seit ihrer Formierung in 2006 als Senkrechtstarter und fühlen sich auf allen Bühnen wohl. So treten Sie gleichermaßen auf Heavy-Metal-Festivals wie Folk-Verandtaltungen und Gothic-Treffen auf. Das Instrumentarium formiert sich um alle Genres und so platzieren sie die Drehleier und Dudelsäcke genauso im richtigen Moment wie die peitschenden Gitarren, mit denen Sie scheinbar die Gemäuer von Schloss Broich zum Einsturz bringen wollten. Im Zentrum ihres Konzerts standen die Titel ihres gerade erschienenen Debütalbums „Hoffnungsschimmer“.
GALAHAD wurde im Dezember 2007 auf dem Bundesnachwuchswettbewerb für Rock und Pop in Wiesbaden als beste Folkloreband 2007 ausgezeichnet. Dennoch sind sie keineswegs Newcomer. Bereits 1987 sind sie als Newcomer des Jahres mit dem WDR-Folkpreis ausgezeichnet worden und hatten Auftritte im Fernsehen. Die Folkmusik ist unverkennbar ihre Heimat, im Laufe der Jahre hat sich ihr ganz eigener Stil entwickelt, der bei allen konzertanten Momenten noch genügend Raum zum Tanzen und Mitsingen übrig lässt. Die mal sanfte und mal raue Stimme der Sängerin Tina Schreiber lässt die Musik in einem nachklingen. Viele Festivals und Hallenkonzerte prägen ihren Weg, u.a. zusammen mit JETHRO TULL. Die Musik dieser Band aus Dinslaken gehört in jeden Schrank eines Folk- oder Mittelalterliebhabers. Wer beim Hören Gelegenheit hat, sich auf die Texte zu konzentrieren, wird sich auch an den erzählten Geschichten erfreuen.
Die weiteste Anreise zu diesem Festival hatte wohl die österreichische Band PUKE, die den Beinamen Irischer Schottenrock trägt. Sie hat sich ergo dem irischen Rock verschrieben und arbeitet sich seit 1997 langsam aber stetig in der Gunst der Zuhörer nach oben. 2004 hatten die berockten Mannen dann im Wiener Prater einen Bandwettbewerb gewonnen, bei dem sie 400 weitere Bands auf ihrem Weg nach oben links liegen ließen. Ihre Eigenkompositionen bedienen neben den klassischen Rockinstrumenten die Folkelemente anhand von Geigen, Dudelsack und Schalmei. Musikalische Besonderheit, was in diesem Rahmen nicht ganz so oft bei Bands vorkommt, ist die Drummerin Marie-Therese Lutz, die mit sehr viel Spaß und Können ihre Erfahrungen aus anderen Bands auf die Trommeln und Becken haut. Wenn die Musik von PUKE ertönt ist es schwer, die Hände, Beine, ach was sag ich, den Körper ruhig zu halten. Zwar nicht ganz so metallen, aber dennoch rockig genug, was unverkennbar nach Folklore klingt.
Aus Luxemburg stammt die bereits 1992 gegründete Band CLANROCK, die im Verlauf ihrer musikalischen Existenz verschiedene Formierungen und Namen durchlaufen hat. Gegründet als EVERYDAY ZULU (EDZ) tourten sie mit klassischem Folk durch Europa und ließen ab 1998 modernen Folk und Hardrock zusammen fließen. Mit ihrem zweiten Album gelangten sie in den Charts von RTL Radio Luxemburg auf Platz Zwei der Top50. Nachdem in Deutschland ein Album auf den Markt kommen sollte, tauften Sie sich 2003 in CLANROCK. Dieser Name bringt schließlich auch den Stil ihrer Musik auf den Punkt. Harter Folkrock, keltisch angehaucht und martialisch dargeboten, zum großen Teil mit elektronischen Instrumenten, wozu auch der elektrische Dudelsack gehört. Faszinierend immer wieder der Wechsel von den etwas sanfteren Folktönen zu dem rockigen Gitarrensound und den schnellen Drums innerhalb eines Stückes. Immer unterstützt und betont durch die Klänge des Dudelsacks, Schalmei oder Flöte.
Zu einem gemeinsamen Auftritt kamen FAUN und OMNIA nach Mülheim. Das Zusammenspiel der zehn Leute auf der und der vielen Helfer hinter der Bühne klappte hervorragend. Wie kaum eine andere Band ist FAUN auch auf der Live-Bühne in der Lage, mit alten Instrumenten eine moderne Musik zu erzeugen, die die Besucher in eine zauberhafte Stimmung verführt. Mehrstimmiger Gesang, keltischer Folk, mittelalterliche Musik und orientalische Nuancen verschmelzen zu einem stilvollen Ganzen. Seit 2002 tourt FAUN durch Europa und hat Anhänger in jeder Ecke dieses Kontinents. Die niederländische Formation OMNIA, die sich 1996 formierte, stellt eine passende Ergänzung zu den Klängen von FAUN dar. OMNIA ist nicht einfach nur eine Band, OMNIA ist ein Lebensgefühl. Es wird keltische Musik inmitten der Natur geboten, die nicht nur weltoffen klingt, sondern mit der internationalen Besetzung auch weltoffen ist. Die sanften, der Natur entnommenen keltischen Klänge von OMNIA harmonieren mit der elfengleichen Stimmung von FAUN. Lauten, Harfen, Didgeridoo und weitere exotische Instrumente lassen keinen Zweifel daran. Beide Bands haben auf der Bühne gezeigt, dass sie bestens zusammen in der Lage sind, die Besucher in Schwingung zu versetzen.
Mit schnellen Rhythmen und rasanten Tänzen animierten die jugendlich wirkenden Musiker von FIDDLER’S GREEN die Menschenmenge auf dem Schlosshof zum Tanzen. Bereits innerhalb der ersten Sekunden war die Frische im Auftreten dieser Band zu spüren. Die Hände der Zuhörer gingen sofort in die Höhe, um dem Beat zu folgen. Kein Wunder auch, ist die bereits 1990 gegründete Band genau durch solche energiegeladenen Live-Auftritte bekannt geworden. Und sie beweisen immer wieder aufs neue, dass FOLK'S NOT DEAD. Seit Anbeginn touren die Fiddler im In- und Ausland durch die Welt und bringen ihren schnellen und Spaßmachenden Folk, der auch gerne als Irish Independent Speedfolk bezeichnet wird, unter das Volk.
Den Abschluss des Festivals bildeten die Musiker von SALTATIO MORTIS, die spätestens seit dem Erscheinen ihres Albums „Aus der Asche“ im letzten Jahr den Sprung in die Reihen der Favoriten vollzogen haben. Ihr voller Terminkalender wird Zeugnis darüber ablegen, dass sie eine sehr nachgefragte Mittelalterband sind, die im gesamten Bundesgebiet und über die Grenzen hinaus zahlreiche Fans und Liebhaber mit ihren metallenen Klängen und dem Ohrenberauschenden Dudelsackrhythmen in den Bann ziehen. Beeindruckend ist auch die immer professioneller werdende Bühnenshow, wegen der alleine es sich schon lohnt, ein Konzert der Totentänzer zu besuchen.
Bei so vielen Stunden Festival ist eine anständige Bewirtung unbedingtes Muss. Hierfür standen genügend Helfer bereit, lange Schlangen gab es kaum, wenn, dann nur kurzzeitig zwischen den Bandwechsels. Wer in diesen Pausen oder auch so mal zwischendurch ein kleines Aus nehmen wollte, hatte beste Gelegenheit, sich im angrenzenden Park auf die Wiese zu legen. Mit Stempel versehen konnten die Besucher den Schlosshof verlassen und wieder betreten. Einbußen betreffend der Musik waren nicht wirklich zu erwarten. Nun gut, die Musik war „draußen“ etwas gedämpfter, aber zum Mitsingen reichte es allemal. Alles in allem darf man gespannt auf das Burgfolk 2009 sein.
Copyright Fotos: Detlef Knut
Detlef Knut (16.08.2008)
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