Ort: Tilburg - 013
Datum: 20.12.2009
Eindhoven und Tilburg standen am Wochenende vom 19 - 20.12. 2009 ganz im Zeichen des Metals. Während es samstags in Eindhoven so richtig rund ging und sich eine extrem metallische Band nach der anderen die Ehre gab, sollten tags darauf in Tilburg ganz andere, symphonischere, aber sicherlich nicht minder mitreißende Töne, angeschlagen werden.
Nach dem großen Erfolg im Jahr zuvor fand nun die zweite Auflage der Christmas Metal Symphony statt. Bei namhaften Musikern im Line Up, wie z.B. Jorn Lande (MASTERPLAN/ JORN), Mats Levén (KRUX/ ex-THERION), Simone Simons (EPICA) und Cristina Scabbia (LACUNA COIL), um nur einige zu nennen, sollte das 013 in Tilburg (eine der schönsten Konzerthallen in den Niederlanden, wie mir vorher gesagt wurde) aus allen Nähten platzen. Sollte... denn oft kommt ja vieles anders, als man denkt.
Das Wetter hatte sich bereits am Tag zuvor von seiner kalten und ungemütlichen Seite gezeigt, die Fahrt in die Niederlande verlief allem Schnee zum Trotz glatt (zum Glück nicht auf der Straße), da in Eindhoven selbst noch nichts (oder nichts mehr) von der weißen Pracht zu sehen war. Das sollte sich über Nacht allerdings gründlich ändern. Nachdem die Party des Metal Meetings bis 4 Uhr morgens angedauert hatte, folgte nach dem gemütlichen Ausschlafen der Schock beim Blick nach draußen, knapp 5 cm Neuschnee, kaum geräumte Straßen und keine Wetterbesserung in Sicht. Nach einem Telefonat mit dem Veranstalter und der Vergewisserung, dass das Konzert stattfinden würde, begann die Schleichfahrt nach Tilburg, die sich dank kaum vorhandenen Verkehrs doch angenehmer als erwartet gestaltete. Die Idee, den Zug zu nehmen, wurde schnell wieder verworfen, denn der Bahnverkehr fiel größtenteils aus. Das zeigt sich bei Betreten der Halle denn auch deutlich. Mehr als locker gefüllt war das 013 nämlich nicht. Allerdings war die Halle, wie versprochen, wirklich klasse für ein solches Event. Breite Stufen sorgten für einen ungestörten Blick zur Bühne von jedem Platz aus, obendrein eine Galerie und eine riesige, wunderbar ausgeleuchtete und festlich dekorierte Bühne. Trotz allem wirkte selbige bei voller Musikerbesetzung fast schon winzig - immerhin musste ein komplettes Orchester (30 Musiker), das Magnum Opus Rockestra unter der Leitung von Marcel Heijnen plus Band und Gastmusikern darauf Platz finden.
Damian Wilson (THRESHOLD) eröffnete den Abend mit "This Is Your Life" und ließ bereits erahnen, wie bombastisch die Veranstaltung werden würde. Die Halle füllte sich und die Menge kam beim IRON MAIDENs „The Trooper“ ein wenig mehr in Stimmung. Allerdings zeigt sich auch hier das niederländische Publikum wieder von seiner eher verhaltenen Seite - oder waren etwa noch alle eingefroren? Auf Damians Frage, ob denn auch alle schon einmal von Arjen Lucassen und AYREON gehört hatten, gab es logischerweise ein lautes "Ja" und so wurde das nun angestimmte "Into The Black Hole" freudig begrüßt. Hierzu bat er weitere stimmliche Unterstützung auf die Bühne: Charlotte Wessels von DELAIN. Charlotte stimmte nach diesem Duett "Nothing Left" von ihrer eigenen Band an.
Als Mats Levén (KRUX/ ex-THERION) darauf die Bühne enterte, gelang es ihm nach und nach das Publikum ein wenig mehr aus der Reserve zu locken mit teils komödiantischem Touch. Nach YNGWIE MALMSTEENs "Rising Force" war mit "Painkiller" der erste richtige Gassenhauer am Start, den wohl jeder, aber wirklich jeder der anwesenden kennen sollte. Endlich war vereinzeltes Matteschütteln im Publikum auszumachen. Spätestens, als er danach ein kleines Käppi aus der Tasche zauberte und zu "Thunderstruck" in bester AC/DC Manier über die Bühne hüpfte, war das Publikum voll und ganz dabei und sang brav mit.
Erwähnte ich eben Entertainer? Nun, mit Joakim Broden (SABATON) betrat nun definitiv die Rampensau des Abends die Bretter. Im Vorfeld war bereits gewitzelt worden, ob er zum festlichen Konzert in üblicher Montur (Tarnhose, Jacke mit "Panzerplatten") antanzen würde oder gar im feinen Zwirn. Nun, es war ersteres, inklusive Sonnenbrille. Zur Einstimmung wurde das Publikum bei "Primo Victoria" nicht nur zum Mitsingen, sondern auch Hüpfen aufgefordert, welches wunderbar funktionierte. Der Mann weiß, wie man die Menge in den Griff bekommt. Danach gab es die erste Überraschung, denn "Master Of Puppets" wäre vielleicht nicht unbedingt ein Stück gewesen, welches ich so vom SABATON Fronter erwartet hätte. Die nächste Überraschung folgte prompt "Do you know Rammstein?" - Sicher! Und Joakim überraschte mit beinah einwandfreier deutscher Aussprache und einer interessanten Version von RAMMSTEINs "Feuer Frei" - mit Orchester eine ziemlich bombastische Angelegenheit.
Udo Dirkschneider übernahm direkt im Anschluss das Zepter mit "Fast As A Shark" (ACCEPT) gefolgt von "Animal House" und, was natürlich nicht fehlen durfte: Der Mitsing-Garant "Balls To The Wall", welches, wieder mit orchestraler Begleitung einen ganz ungewohnten Klang bekam. Es folgte ein erneuter Sängerwechsel und nun war Simone Simons (EPICA) nebst Bandkollegen Mark Jansen und Orchester an der Reihe, um eine fette Version von "Cry For The Moon" zu intonieren. Mark präsentierte im Anschluss DEATH´s "Crystal Mountain" - ein Song, welcher nicht nur für allgemeine Verwunderung sorgte, sondern auch für begeisterte Gesichter, denn wie oft wird schon DEATH gecovert? Und an einem Abend wie jenem, hätte wohl auch kaum jemand ein Stück dieser Gangart erwartet. THE GATHERINGs "Strange Machines" war dann Simones nächster Song, bevor sie die Bühne für Goldkehlchen JORN freimachte.
Dieser wurde mit lautem Beifall begrüßte und stieg auch gleich mit "War Of The World" ein. Mit dem folgenden "Stormbringer" huldigte er DEEP PURPLE. JORN widmete "Rock´n´Roll Children" dem an Krebs erkrankten DIO und bezeichnete ihn als einen seiner größten Einflüsse für seine Karriere als Sänger. Eine sehr gefühlvolle Interpretation des Songs in Kombination mit Orchester. Es folgte ein Stimmungswechsel, wie er größer kaum hätte sein können, denn EPICA Drummer Arien Van Weesenbeck stürmte headbangend die Bühne und gab "Angel Of Death" (SLAYER) zum Besten. Der Kerl sollte wirklich öfter sein Drumkit gegen ein Mikrofon tauschen!
Auf SLAYER folgte erneut ein krasser Wechsel, denn nun stand Cristina Scabbia mit "Our Truth" bereit, welches sie zusammen mit Mats Levén sang. War Joakims "Feuer Frei" bereits eine Überraschung gewesen, so dürfte "Nothing Else Matters" für noch mehr Verwunderung gesorgte haben. Cristinas Bedenken, den Song völlig zu verunstalten, waren allerdings völlig unbegründet, denn sie lieferte eine wirklich starke, gefühlvolle Version mit Orchester. Leider neigte sich nun schon die zweite Auflage der Christmas Metal Symphony dem Ende zu. LACUNA COILs "Heaven´s A Lie" sollte den Abend beenden, zu dem sich Cristina Simone Simons zur Unterstützung auf die Bühne holte. Cristina bedankte sich, wie auch ihre Mitstreiter beim 30-köpfigen Orchester, welches eine tolle Leistung abgeliefert hatte und so manche einem Song einen edlen Schliff gegeben hat.
Fazit: Das etwas andere Weihnachtskonzert wurde zu Recht mit Lob überschüttet. Der bunte Mix an Songs und Musikern verschiedenster Stile machte sich ausgezeichnet und das eine oder andere Lied sorgte für Überraschungen, die man so vom jeweiligen Künstler nicht erwartet hätte. Das große Orchester verlieh altbekannten Stücken einen ganz neuen, bombastischen Touch und machte die Christmas Metal Symphony zu einem wirklich tollen Erlebnis, welches Ende 2010 gerne wiederholt werden kann!
[eine Anmerkung am Rande: Da auch nach mehreren Kontaktierungsversuchen keinerlei Antwort des Veranstalters zu vermelden war, ergo keine Akkreditierung/ Fotopass, war es ursprünglich geplant keinen Bericht über das Konzert zu verfassen. An dieser Stelle ein Dankschön an Ofir Messer/ metalist.co.il, der für einen Foto/ Pressepass über das israelische Magazin sorgte, so dass nun doch Bericht und Bilder von diesem tollen Event vorhanden sind - :-) תודה רבה ]
Die komplette Setlist:
CiR Anthem - Magnus Opus Rockestra
Threshold - This is Your Life ( Damian Wilson)
Iron Maiden - The Trooper (Damian Wilson)
Ayreon - Into the Black Hole (Damian Wilson/Charlotte Wessels)
Delain - Nothing Left (Charlotte Wessels)
Yngwie Malmsteen - Rising Force (Mats Levén)
Judas Priest - Painkiller (Mats Levén)
AC/DC - Thunderstruck (Mats Levén)
Sabaton - Primo Victoria (SABATON) feat. Joakim Broden
Metallica - Master Of Puppets (METALLICA) feat. Joakim Broden
Rammstein - Feuer Frei (RAMMSTEIN) feat. Joakim Broden
Accept - Fast As A Shark (ACCEPT) feat. Udo Dirkschneider
U.D.O. - Animal House (U.D.O.) feat. Udo Dirkschneider
Accept - Balls To TheWall (ACCEPT) feat. Udo Dirkschneider + Orchester
Epica - Cry For The Moon (feat. Simone Simons & Mark Jansen) EPICA + Orchester
Death - Crystal Mountain (DEATH) feat. Simone Simons & Mark Jansen
The Gathering - Strange Machines (THE GATHERING) feat. Simone Simons
Jorn - War Of The World (JORN) feat. Jorn Lande
Deep Purple - Stormbringer (DEEP PURPLE) feat. Jorn Lande
Dio - Rock 'n Roll Children (DIO) feat. Jorn Lande + Orchester
Slayer - Angel Of Death (SLAYER) feat. Ari?n van Weesenbeek
Lacuna Coil - Our Thruth (LACUNA COIL) feat. Cristina Scabbia & Mats Lev?n
Metallica - Nothing Else Matters (METALLICA) feat. Cristina Scabbia + Orchester
Lacuna Coil - Heaven's A Lie (LACUNA COIL) feat. Cristina Scabbia & Simone Simons + Orchester
Copyright Fotos: Cornelia Wickel
Ateacina (20.12.2009)
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