Artist: LOSTPROPHETS
Title: The Betrayed
Homepage: LOSTPROPHETS
Label: J RECORDS
Leserbewertung: 9.25 von 10 Punkten (4
Bewertungen)
Himmel, wie die Zeit vergeht! Annähernd vier Jahre ist es schon her, dass es das dritte Album „Liberation Transmission“ der inzwischen zum Sextett angewachsenen Truppe aus dem walisischen Pontypridd auf die Ohren gab. Für meinen Geschmack schwächelten die LOSTPROPHETS bei ihrem dritten Longplayer ein wenig und dümpelten stellenweise arg poplastig im Belanglosen. Fragt sich, ob die verlorenen Propheten mit ihrem vierten Streich „The Betrayed“ diese Scharte auswetzen können.
Zumindest haben sie eine satte dreiviertel Million Dollar und zwei Jahre Zeit in den Silberling investiert, sowie zwei Mal den Produzenten gewechselt, bis sie ihr Baby schließlich selbst produziert haben. Und siehe da: Die LOSTPROPHETS haben wieder zu ihrer allen Wut zurückgefunden, wie der Opener „If It Wasn’t For Hate, We’d Be Dead By Now“ mit krachenden Grooves unmissverständlich klarstellt. Nicht minder knackig kommt „Dstryr/ Dstryr“ um die Ecke und kloppt donnernde Gitarren und Drums unters Volk, ehe die erste Single-Auskopplung „It’s Not The End of The World, But I Can See It From Here“ solide rockt, jedoch nicht ganz so frisch wirkt. Die Kapelle setzt diesbezüglich wohl eher auf Eingängigkeit, die auch bei der zweiten Single „Where We Belong“ gegeben ist. Mehrstimmiger Gesang sorgt für erfrischendes Mitgröl-Feeling, das uneingeschränkt Spaß macht, bevor „Next Stop, Atro City“ erneut alles kurz und klein rockt. Einen beschwingt pop-punkigen Kontrast bietet da „For He’s A Holly Good Felon“ und auch „Streets of Nowhere“ lässt sich nicht ganz so ruppig, dafür jedoch hochenergetisch an. Ganz offensichtlich haben sich LOSTPROPHETS für ihren vierten Studio-Output High Speed auf die Fahnen geschrieben, denn auch „Dirty Little Heart“ besticht mit flottem Drive und mitreißenden Sounds, wobei man allerdings nicht den Tag vor dem Abend loben sollte. Denn mit „Darkest Blue“ geraten die Sechs etwas vom bisher so straighten Weg ab. Auf der Zielgeraden darf daher doch noch mit viel Rockattitüde geschmachtet werden. Ein Song lang ist das ok, vor allem, wenn sich mit „The Light That Shines Twice As Bright“ ein wirklich emotionsgeladenes Finale vom Feinsten anschließt.
LOSTPROPHETS sind wieder im „Post Hardcore“ angekommen! Der Alternative Rock des Sechsers ist zum Biss alter Tage zurückgekehrt und die Mucke treibt endlich wieder kompromisslos nach vorn. Das Warten hat sich deshalb ohne Wenn und Aber gelohnt. Dabei scheint insbesondere Sänger und Gründungsmitglied Ian Watkins an seiner Stimme gearbeitet zu haben und auch Neuzugang Luke Johnson, der die Felle von Ilan Rubin übernahm (welcher wiederum zur Live-Besetzung von NINE INCH NAILS wechselte), überzeugt mit druckvollem Spiel. Zeit und Kohle sind bestens eingesetzt und ich habe den Jungs ihr Rumgehampel auf „Liberation Transmission“ nach ein paar Durchgängen von „The Betrayed“ schon längst vergessen.
ump (27-01-2010)
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