Artist: THE VAINE
Title: It’s a Disease
Homepage: THE VAINE
Label: DEAD FAMOUS
Ja, im Bereich der härteren Musik – angefangen beim Rock über die verschiedenen Ableger des Metals bis hin zum Hardcore – liegt bekanntermaßen eine Männerdomäne vor. Das mag vielleicht daran liegen, dass die Eigenschaften dieser Musik sich eher mit denen der XY-Chromosom-Träger vereinbaren lassen oder Frauen ganz einfach kein großes Interesse an ihr haben. Ganz sicher allerdings ist, dass es nicht eine Sache des Könnens ist. Bands wie ARCH ENEMY, WALLS OF JERICHO, IN THIS MOMENT und wie sie nicht alle heißen, beweisen, dass auch das vermeintlich schwächere Geschlecht bei der härteren Gangart ihren männlichen Kollegen in nichts nachsteht, besonders was die Künste am Mikrofon angeht. Dass es dabei nicht immer nur feinster Engelsgesang sein muss, sondern auch mal bitterböse Shouts oder tiefes Growling, ist längst nicht mehr nur den Männern jähzorniger Ehefrauen ein Begriff.
Zu dem erlesenen Kreis der mit Powerfrauen-besetzten-Bands zählen auch THE VAINE, die am Bass und auch am Mikro wahre Könnerinnen ihres Fachs aufbieten. Besonders Sängerin Shelley begeistert auf dem Debüt-Longplayer „It’s a disease“ mit einem Wahnsinns-Organ. Brutale Shouts à la Laura Nichol (LIGHT THIS CITY) oder auch Angela Gossow (ARCH ENEMY) sind ebenso beeindruckend wie die Gesangparts, auf deren Qualität viele Popsängerinnen stolz wären. Aber auch der Rest der australischen „Teenie-Band“ (alle 5 Mitglieder sind zwischen 17 und 19) weiß, wie man Musik macht. Die treibenden Gitarren sind sauber gespielt und auch wenn sie keine neuen Maßstäbe in Sachen Komplexität setzen, sondern oftmals reichlich einfach gestrickt sind, bestechen sie durch ihre Eingängigkeit und Melodie. Ob sie nun kräftig aus dem Boxen wummern, in einem Breakdown daherstampfen oder durch schöne Leads und Soli zu entzücken wissen, sie passen immer in das jeweilige und variantenreiche Songkonzept. Ähnlich verhält es sich mit Bass und Schlagzeug, die bei schnelleren Nummern wie „Aim and Fire“ genau so gut den Druck und die Stimmung vermitteln wie auch bei den ruhigen Songs (z.B. „We are Heroes“). All das führt zu einer Mischung aus melodisch modernem Metal oder auch Metalcore, versehen mit aggressiv gefauchten Shouts im Wechsel mit klarem, rockigem Gesang, der nicht selten auch mal einen Abstecher in den Pop-Bereich macht („Oh Oh Chantelle!“, „Bee(n) stalking Jaque“). Das, was Shelley in ihren jungen Jahren aus ihren Stimmbändern herausholt, sucht in der Art und Varianz seines gleichen. Egal ob melancholisch-sanft wie in „Sounds of the Mary Celeste“ oder der Ballade „March of Bastille“, kräftig-rockig wie bei „The Scarecrow speaks in rhyme“ oder der überwiegende und einfach beeindruckende Schreigesang – das Mädel gibt sich keine Blöße und überzeigt jederzeit mit Kraft und Souveränität. Das Album der ehemaligen Schülerband reißt einen von der ersten der knapp 60 Minuten mit und nahezu jeder der 13 Tracks besitzt Hitpotenzial (allen voran „Bee(n) Stalking Jaque“). Die Kompositionen sind, was Härte und Melodie angeht, sehr ausgewogen, abwechslungsreich (bei „Damage in the waiting room“ baute man sogar eine kleine Elektro-Passage ein) und sprechen entweder die Gefühle, die Mitsing-, Tanz- und „Abgehlaune“ oder gleich alles auf einmal an.
„It’s a disease“ von THE VAINE ist ein bärenstarkes, einwandfrei produziertes Album einer sehr jungen, talentierten fünfköpfigen Truppe, die in eine ähnliche Kerbe schlägt, wie es BULLET FOR MY VALENTINE getan haben, und schon bald in aller Munde sein wird. Man kann diese Band und dieses Album nicht so leicht ein eine bestimmte Schublade schieben, außer darauf steht einfach nur „geile Musik“. Freunde der härteren Gangart sollten ebenso reinhören wie die der weniger harten – THE VAINE bieten eigentlich für jeden etwas, und ich wage sogar zu behaupten, dass wir es mit „It’s a disease“ mit einem der besten Metal Alben des Jahres zu tun haben!
Alexander Vogt (03-06-2008)
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