Artist: TEMPESTA
Title: The Other Side
Homepage: TEMPESTA
Label: FASTBALL
Leserbewertung: 10.00 von 10 Punkten (1
Bewertungen)
Wenn die Schweizer jetzt schon Southern Rock machen, muss man sich wirklich langsam fragen, ob sie etwas an der Matrix geändert haben. Doch Neo kann seinen Mantel beruhigt im Schrank hängen lassen und dafür seinen Cowboy-Hut zücken, denn TEMPESTA bitten mit ihrer nunmehr dritten Langrille zum Highway-Tänzchen.
Denn auch wenn das gute Stück den Titel „The Other Side“ trägt, zeigen sich die Eidgenossen von keiner anderen als ihrer besten Seite und vereinen schmissige Country-Coolness mit groovendem Southern Rock und gerne mal schweren Gitarren. Man stelle sich KID ROCK in gut gelaunter Zweisamkeit mit METALLICA vor und schon hat man ein gelungenes Stück wie den als Opener fungierende Titelsong. Von Anfang an drängen sich die Einflüsse der Genannten unverhohlen auf, als ein Riffing aus der „Load“-Ära mit dem reibigen Stimmtyp des „American Badass“ Bruderschaft trinkt, bis man sich bei dem Rap-Part im letzten Drittel dann endgültig in den Armen liegt. Richtig coole Nummer, deren Eigenschaften bei „Jack“ fast einem Tribut an die Metal-Ikone und Detroits vorlautestem Sohn gleichkommen: Während das Riff in Richtung „Sad but true“ tendiert und TEMPESTA-Fronter Thalman in den Strophen den Hetfield gibt, wird nicht nur Miss Pamela Anderson bei dem Refrain hellhörig werden. Auch das heitere „Talk of the town“ und die Lagerfeuer-Ballade „The Way It Is“ inklusive Schnipsen und Klatschen hätte ihr Verflossener ähnlich gut interpretieren können; hat einer Marshmallows? Doch TEMPESTA können mehr als bloß Tribut zollen und wissen so beispielsweise bei „Loose you once more“ mit einer ziemlich traurigen Komposition zu überzeugen (auch wenn ganz Engstirnige da noch leichte Parallelen zu einem Song namens „Turn the page“ finden könnten). Ebenfalls sehr emotional ist „No Matter What They Say“ ausgefallen, bei dem Sänger Thalman einmal mehr mit seiner rauen aber trotzdem gefühlvollen Stimme glänzt, mit der er sich selbst neben der amerikanischen Gastsängerin RACHEL WILLIAMS im Duett zu „I’m Sorry“ nicht verstecken muss. Eine richtig schön klassische Ballade mit Piano, Cello und Pedal Steel – ähnlich wie einst SHERYL CROW mit... ähm ja, KID ROCK. Am besten liegen dem Schweizer Quartett aber klar die flotteren Töne wie die von „Nashville“, bei denen man die Saiten qualmen und das Schlagzeug grooven lässt – da fliegen die Hüte im Saloon! Immer wieder gerne wird auch das Piano eingesetzt, was das ganze Flair noch einmal eine Spur weiter schiebt; instrumental sitzen die Schweizer aber mal so ganz fest im Sattel.
Dort fühlen sich TEMPESTA auch offensichtlich wohl, genauso wie jeder Freund von nicht gerade revolutionärem, dafür aber gradlinigem und stimmungsvollem Southern Rock mit druckvoller Gitarrenarbeit sich beim Konsumieren von „The Other Side“ zu Hause fühlen wird. Tolerante METALLICA-Hörer, KID ROCK- aber auch NICKELBACK-Fans (gerade die, die auf Stücke wie „Rockstar“ stehen) können also schon mal ihre Tanzstiefel putzen, aber auch Anhänger gefühlvoller Klänge werden bei den insgesamt 12 gut produzierten Klangwerken noch Plätze am Lagerfeuer finden. Veredelt hat den Silberling niemand Geringeres als Al Sutton, der schon die Finger bei den Platten von den genannten Größen KID ROCK und SHERYL CROW im Spiel hatte, aber auch bei UNCLE CRACKER (der ja auch an den Turntables bei Mr. ROCK dreht), R.KELLY oder SNOOP DOGG. Innerhalb dieser 47einhalb Minuten haben sich die Schweizer jedenfalls auch ohne irgendwelche großen Namen ein paar Sporen verdient, zwar nicht für Exklusivität, dafür aber für eine ganze Menge gelungener Stimmung. Ich bestelle mir jetzt jedenfalls noch mit Neo ein Glas Milch an der Saloon-Bar. „Einmal bitte die neue TEMPESTA in den Player – und zwar laut! Yeeehaw!“
Alexander Vogt (06-09-2009)
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TEMPESTA
Fulltime Joker
03.12.2006
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